Wunderbuche
Dieser einzigartig gewachsene Baum findet sich im Albtal zwischen dem Todmannstein und den Windwiesen. Ich schätze ihn auf mind. hundert Jahre, leider gibt es keine genauen Aufzeichnungen darüber, aber heute steht er unter Naturdenkmalschutz und ist auf vielen Wanderkarten zu finden.
Obwohl er diesen besonderen Wuchs aufweist, gibt es keinerlei Sagen über diesen Baum. In meiner Kindheit jedoch, war die Wunderbuche ein verwunschenes Tor, das, wenn man es zum richtigen Zeitpunkt durchschreitet, in eine andere, sagenhafte Welt voll Elfen, Riesen und Trolle führen kann.
Leider habe ich diesen perfekten Zeitpunkt nie getroffen, obwohl ich es unermüdlich versucht habe. Selbst heute habe ich noch ein merkwürdiges Gefühl, wenn ich unter der Buche durchlaufe…ob sie wohl doch geheimnisvolle Kräfte hat?
Windwiesen
Der Wind scheint hier von allen Seiten zugleich zu kommen, als würde man in einem Luftwirbel stehen.
Früher galten die Windwiesen als heimtückisch, da auf ihnen schon Menschen verschwunden sein sollen. Doch mittlerweile ist die Angst davor geschwunden und schon seit langer Zeit wurde niemand mehr vermisst, der die Wiesen überquert hat.
Für uns Kinder galt es als Mutprobe, soweit wie möglich auf diese Wiese hinauszulaufen und darauf einige Minuten stehen zubleiben.
Totenmannstein
Am Hang des Hardberges gegen das Moosalbtal steht seit 1570 ein besonderer Grenzstein, um den sich eine alte Sage rankt:
Am Pfingstsonntagmorgen kam ein Kirchgänger auf dem Rückweg vom Gottesdienst in Schöllbronn an der Stelle vorbei, wo heute der Totenmannstein steht. Dabei sah er, wie ein junger Mann dabei war, auf einem hohen Baum ein Starennest auszunehmen.
„Weißt du nicht, dass heute Sonntag ist und du Gottes Geschöpfe nicht stören sollst?“, fragte er den Vogeldieb.
Der lachte nur. „Wenn es den Herrn beruhigt, werde ich für ihn einen Jungvogel im Nest lassen.“
Der Mann setzte seinen Weg fort, doch der Jüngling dachte nicht daran sein Versprechen zu halten. Als er jedoch zum Abstieg ansetzte verfehlte er einen Ast und stürzte in die Tiefe, wo er tot liegen blieb.
Als Abschreckung für andere Sünder errichtete man einen Stein, auf dem ein Gerippe mit einem Starenkasten in der Hand dargestellt ist. Wanderer, die nachts durch den Wald gehen, sollen den Toten als Geist gesehen haben, der durch die Bäume streicht und jammert.
Teufelsburg
Vor mehr als tausend Jahren verkündeten die Glaubensboten des Christentums ihre Heilslehre den Siedlern und Köhlern, die sich in den Tälern und Lichtungen des fast undurchdringlichen Nordschwarzwaldes niedergelassen hatten.
Außer sich vor Wut bauten die alten heidnischen Götter gegen die neue Lehre eine gewaltige Burg. Trotz des wuchtigen Bollwerks gelang es den Missionaren allmählich, die Menschen für das Christentum zu gewinnen.
Als die Gläubigen eines Tages wieder zusammen beteten, war die Geduld der Götter am Ende, der Himmel öffnete sich, und Wotan sandte seine Wagen und Heerscharen über den Himmel, dass das Tal erfüllt war von Donner und Blitz.
Thor, der Gott des Donners, schleuderte seinen Hammer in die hinterste Ecke des Tales.
Dort jedoch, wo der Hammer zischen den Ruinen der Götterburg die Erde aufbrach, entsprang friedlich eine Quelle, die man seit undenklichen Zeiten Alb nennt.
*Die Teufelsburg, eine bizarre Felsformation aus Buntsandstein, die als Sitz der alten Götter galt, ist Schauplatz meiner ersten „Towai“ Geschichte*
Die Albtal -Wikinger
Meine vier Brüder setzten mir als Kind den Floh ins Ohr, dass wir Albtäler von den Wikingern abstammen würden. Und zwar wären die Wikinger dereinst mit ihren Drachenbooten den Rhein herab gesegelt. Als sie die Mündung der Alb sahen, wurden sie neugierig auf das Tal, das dahinter lag. So ließen sie ihre Langboote zu Wasser und fuhren den Fluss hinauf, bis sie das schönste Fleckchen Erde entdeckten, dass ihnen auf ihren vielen Reisen begegnete war. Hier rodeten sie die Bäume, errichteten ein kleines Dörfchen, das sie „Neurod“ nannten und beschlossen für immer zu bleiben.
Dies sei der Grund, warum die Männer hier rote Bärte haben und die Kinder aus Neurod wilder, mutiger und verwegener waren, als andere.